Die Originalurkunde 1268

Nächster Punkt. Was die Hufe in Osdorf angeht.

Gerhard, durch Gottes Gnade Graf von Holstein, [wünscht] allen Christgläubigen, welche die vorliegende Urkunde einsehen wollen, Heil im Schöpfer des Heiles. Wir wollen den Jetzigen wie den zukünftigen Nachfahren kundmachen, daß wir zur Ehre Gottes, gebeten von unserem lieben Getreuen Heinrich, Bürger zu Hamburg, Sohn Hammos, das Eigentum an einer im Dorfe Osdorf belegenen Hufe voll und frei dem uns teuren Konvent der Nonnen zu Herwedeshude mit allem Zubehör zu ewigem Besitz gegeben und geschenkt haben; diejenige Hufe nämlich, die derselbe Heinrich einst von uns zu Lehen besaß. Damit jedoch diese unsere Schenkung für später gesichert bleibt und über sie bei unseren Neffen oder Erben kein Zweifel entstehen kann, haben wir dieses Schriftstück durch Befestigung unseres Siegels bekräftigen lassen. Zeugen aber sind Reimer von Wedel, Gerbert genannt der Vogt, Hinz von Wedel, sämtlich Ritter, und viele andere.

Gegeben von der Hand des Hamburger Domherrn Johann, unseres Schreibers, im Jahre des  Herrn 1268, am 3. August.

 

 

 

750 Jahre Osdorf – von 1268 bis heute

 

Die erste Erwähnung des holsteinischen Bauerndorfs Oslevestorp stammt aus dem Jahre 1268.

 

Osdorf bestand zunächst aus zehn Höfen, denen sich bis 1701 elf weitere Höfe zugesellten. Es gab eine Schmiedestelle; eine Mühle kam erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts dazu. Vorher mussten die Osdorfer in der Eidelstedter Wassermühle mahlen lassen. Die Bauern hatten das Recht der gemeinschaftlichen Weide ihres Viehs und der Weichholznutzung, während Grund und Boden dem Landesherrn gehörte.

 

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts kam es zu einer Agrarreform, die diese sogenannten Feldgemeinschaften aufhob und stattdessen den Bauern gegen eine jährliche Pacht Parzellen zur Urbarmachung des Landes zur Verfügung stellte. In den ersten Jahren der Urbarmachung mussten zum Teil keine Abgaben entrichtet werden, eine Maßnahme, die zu einer Vergrößerung der Höfe führen und einen Ansporn zur Steigerung der Nahrungsmittelerzeugung geben sollte.

 

Ab ca. 1870 gab es keine Vermehrung der Hofstellen mehr. In zunehmendem Maße lebten nun auch Tagelöhner und Heuerlinge sowie kleine Gewerbetreibende wie Weber, Schneider, Tischler, Schuster und Milchhöker in Osdorf.

 

In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts setzte eine Aufteilung der Hofländereien an Käufer ein, die hier ihre Wohnhäuser errichteten. Es entstanden regelrechte Kleinsiedlungen oder sogar Ortsteile wie die Villenkolonie Hochkamp, die für sich ein Sonderdasein führten. Mit der Anlage dieser Gruppensiedlungen begann das Ende manches Osdorfer Hofs, der vorher durch die Jahrhunderte bestanden hatte. Die Landnahme für Siedlungszwecke nahm damit ihren Anfang. Hand in Hand ging damit die Erschließung der Wohngebiete, die verkehrsgerechte Straßen erforderten.

 

Auch die Stadt Altona trug fremdes Element in das bäuerliche Osdorf, als sie 1869 hier eine Landfläche kaufte und darauf eine Armenanstalt – das Altonaer Landpflegeheim – errichtete. Heute beherbergt es Wohnungen und Ateliers, eine Künstlergemeinschaft und liegt am Rande des idyllischen Hans-Christian-Andersen-Parks. Von nun an vergingen keine 60 Jahre mehr, bis Osdorf seine Selbstständigkeit einbüßte und 1927 nach Altona eingemeindet wurde.

 

1938 wurde Altona nach dem „Großhamburg-Gesetz“ eingegliedert. Die „General-Schwartzkopff-Kaserne“ wurde 1936 gebaut, 1994 in „Generalleutnant-Graf-von-Baudissin-Kaserne“ umbenannt und ist heute ein Teil der Führungsakademie der Bundeswehr.

 

Noch bis in die dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts bestand Osdorf aus einigen Bauernhöfen mit den dazugehörigen Katen für die Landarbeiter, ein paar Dorfkrämern und Wirtschaften, der Schmiede Leseberg und der Stellmacherei Wientapper. Die Straßen waren bei nassem Wetter unpassierbar. Zu dieser Zeit und nach dem zweiten Weltkrieg wurden auf mehr als 20 Hektar an den Straßen Rugenbarg, Blomkamp und Flurkamp Siedlungshäuser zu günstigen Krediten errichtet, um dringend benötigten Wohnraum zu schaffen. 1932 wurde nach dem „Reichsheimstätten-Gesetz von 1920“ die Siedlung Osdorf-Mitte gebaut. Sinn und Zweck des Gesetzes war es, der Bevölkerung zu günstigen Preisen Wohneigentum zu überlassen und auch die Möglichkeit zum Anbau von Gemüse und Obst und einer eingeschränkten Tierhaltung zu ermöglichen.

 

Mit Zunahme der Bevölkerungszahlen wandelte sich Osdorf vom geruhsamen Dorf zum Stadtteil einer Großstadt, die immer mehr auch das Leben in Osdorf bestimmte. Die hier verbliebenen landwirtschaftlichen Betriebe mussten ihre Höfe aus dem Dorfkern in die Feldmark verlegen, um intensive Landwirtschaft betreiben zu können.

 

Die rasche Bevölkerungszunahme schon zu Ende des 19. Jahrhunderts hatte 1886 zur Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr in Osdorf geführt, 1979 wurde dann die Berufsfeuerwehr hier angesiedelt. Bis dahin wurde Osdorf von der Feuerwache Blankenese mitversorgt.

 

Mit der Eingemeindung in das Stadtgebiet Altonas erhielt Osdorf 1927 als Polizeistützpunkt einen ersten, 1933 einen zweiten Landposten. Nachdem 1945 die polizeiliche Funktion in Hamburg praktisch ausgeschaltet war, wurde in Osdorf aber schon 1946 eine Revierzweigstelle der Polizei und 1953 die eigenständige Wache 23 (heute PK 26) eingerichtet, die sich seit 1955 in ihrem Gebäude am Blomkamp befindet.

 

Schulunterricht in Osdorf ist seit dem 16. Jahrhundert nachweisbar, aber erst seit Mitte des 18. Jahrhunderts gab es eine Schulkate an der Ecke Rugenbarg/Osdorfer Landstraße. 1878 wurde das Schulhaus am Rugenbarg errichtet, das bis 1968 als solches genutzt wurde. (Später war hier das Ortsamt untergebracht.) Anfang des 21. Jahrhunderts musste das Schulhaus einem Neubauvorhaben („Rugenpark“) weichen. Heute gibt es in Osdorf ein Gymnasium und vier Grundschulen, dazu die Internationale Schule am Hemmingstedter Weg.

 

Kirchlich wurde Osdorf zunächst vom Pfarrbezirk Nienstedten mitbetreut, bis 1934 der Pfarrbezirk Osdorf eingerichtet wurde, der allerdings erst 1947 einen eigenen Pastor bekam. 1937 wurde auf dem Grundstück zwischen Sandort und Am Osdorfer Born ein Gemeindehaus errichtet. 1954 wurde der Pfarrbezirk Osdorf aus der Gemeinde Nienstedten ausgepfarrt und bereits 1959 konnte die St. Simeonkirche an der Dörpfeldstraße eingeweiht werden.

 

Ende der sechziger Jahre, als in Hamburg große Wohnungsnot herrschte, entstand auf den Wiesen und Feldern der junge Teil Osdorfs, der „Osdorfer Born“, mit einer sehr dichten Bebauung. Es ist hier ein eigenständiger Stadtteil mit gesellschaftlichen und kulturellen Einrichtungen entstanden. 1970 wurde hier der Grundstein für den Kirchenbau der Maria-Magdalena-Gemeinde gelegt.

 

Von 6.030 Einwohnern im Jahr 1935 verdoppelte sich Osdorfs Einwohnerzahl bis 1954 auf rund 12.000. 2004 lebten bereits rund 25.000 Menschen in Osdorf, davon allein 12.600 am Osdorfer Born. Heute leben mehr als 26.000 Menschen in Osdorf.

 

Von den rund 30 großen Höfen sind nur wenige verblieben: u.a. der Heidbarghof in der Langelohstraße mit zwei reetgedeckten Katen, heute kultureller Mittelpunkt Osdorfs (s.u.), der Hof Behrmann an der Ecke Rugenbarg/Osdorfer Landstraße, in dem sich heute eine Weinhandlung sowie ein Restaurant befinden, der Hof Eggerstedt am Bockhorst/Ecke Düsterntwiete und der Hof Groth, der heute Läden beherbergt. Im alten Dorfkern gibt es Einkaufsmöglichkeiten für den täglichen Bedarf, am Osdorfer Born gibt es ein kleines Einkaufszentrum und 1968 wurde das Elbe-Einkaufszentrum eingeweiht, das inzwischen mehrfach umgebaut und modernisiert wurde.

 

Freizeitmöglichkeiten gibt es natürlich auch; zu nennen ist das Freibad in der Feldmark sowie der Schacksee mit dem angrenzenden großen Spielplatz, außerdem das Elbe-Kino an der Osdorfer Landstraße. Neben der Feldmark laden auch die Grünanlagen um den Ziegeleiteich, der Botanische Garten und der Hans-Christian-Andersen-Park zu Spaziergängen ein.

 

Osdorf ist von einem regen Vereinsleben geprägt; es gibt mehrere Sportvereine, einen Spielmanns- und Fanfarenzug, einem Damengesangverein, den Landfrauenverein Elbdörfer, den Bürger- und Heimatverein Osdorf, dazu die Elisabeth-Gätgens-Stiftung.

 

Der Bürger- und Heimatverein, gegründet 1960, bietet seinen fast 600 Mitgliedern in allen Altersstufen ein reichhaltiges Veranstaltungsprogramm, angefangen von Kinderfesten, über Flohmarkt, Erntedankfest, naturkundliche Wanderungen, Skatabende, Ausfahrten bis hin zum Seniorenkaffee, gemäß seinem Motto: „In Osdorf muss niemand allein sein“. Der Bürger- und Heimatverein Osdorf setzt sich für die Förderung des kulturellen, gesellschaftlichen und kommunalen Lebens in Osdorf ein, pflegt den Heimatgedanken und fördert einen freien Meinungsaustausch unter seinen Mitgliedern. Der BHV mischt sich in die Lokalpolitik ein und redet mit.

 

Die 1985 gegründete Elisabeth-Gätgens-Stiftung veranstaltet regelmäßig im Heidbarghof Kultur für jedermann, angefangen bei Konzerten über Theater, Lesungen und Vorträge bis hin zu einem jährlich stattfindenden Tag der Offenen Tür.

 

Christiane Borschel [Quelle: Aufzeichnungen Dr. Gerhard Jarms, Osdorfer Chronik]

 

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